Hallo Tamara! Schön das du dir Zeit für uns nimmst.

Ach, für die imaginären Interviewpartner doch immer…

Wie kamst du zum schreiben?

Ich glaube das Schreiben lag mir schon immer im Blut. Ich weiß zumindest, dass ich in der Grundschulen schon immer die längsten Geschichten geschrieben habe. Da waren halt drei Seiten schon ungemein viel. – Ich wurde nie rechtzeitig fertig. Heute schreibe ich wohl die längste Ärzte Fanfiction. Ja, bleibt alles beim Alten.

Kannst du dich an deine erste Geschichte erinnern?

An die allererste sicher nicht, zumal wir in der Grundschule immer irgendwelche Vorgaben hatten. Meine erste, eigene, „private“ Geschichte war aber eine der ganz üblen Sorte: Ponyhof-Klischee und so was. Es gruselt mich wenn ich daran denke!

Existiert sie noch? Könnte man die noch mal lesen?

Es mag dramatisch sein, aber das einzige Exemplar was noch existiert besitzt eine ehemalige Freundin, zu der ich keinen Kontakt mehr habe. Ich glaube kaum, dass sie sie noch hat. – Also nein, es gibt hier keine Jugendsünden aufzuspüren!

Glaubst du, schreiben hat etwas mit Begabung zu tun?

Ja. Nur weil du deine Sprache beherrscht, und zusammenhängende Sätze formulieren kannst – nicht einmal das kann tatsächlich jeder – bist du kein guter Geschichtenerzähler. Um Farin Urlaub hier sehr passend zu zitieren: Ich jongliere mit Wörtern, das ist mein persönlicher Erziehungsauftrag.

Wenn dich jemand nach dem ultimativen Tipp fragt, der ihn zum guten Erzähler macht, was würdest du antworten?

Schon wieder ein Zitat? (seufzt) Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen. - Das stimmt.

Deine recht erfolgreiche Fanfiction „Für immer bis Morgen“ feiert unter eingeweihten großen Erfolg. – Sollen noch weitere Projekte dieser Art folgen?

Nein.

Weshalb?

Keine Fanfiction die ich je schreiben werde, wird mir so sehr ans Herz wachsen wie FibM. Und das Herzblut das ich in sie investiert habe ließt man auch. Außerdem möchte ich die Leute in dem glauben lassen, ich seine eine großartige Autorin. (lacht) Es wird weder eine schlechte Fortsetzung, noch ein ähnlich ausuferndes Projekt wie diese Fanfiction geben.

Aus sicheren Quellen hört man nun aber, du denkst doch noch über eine neue Die Ärzte Fanfiction nach. Na, was soll man denn nun glauben?

Also ich bin mit Sicherheit keine sichere Quelle! (grinst) Ja. – Ja, denkt euch was ihr wollt.  

Die Ärzte sind der Hauptbestandteil deiner Fanfiction. Wie kam es dazu?

Zu dieser Zeit muss ich gestehen war ich noch kein „richtiger“ Ärzte Fan. Ich war jemand der die „wichtigsten“ Lieder kannte. Schrei nach Liebe, Westerland, Der Tag und co. Aber von einer Fanliebe wie heute kann man kaum sprechen. Ich erinnere mich sogar noch an den Tag an dem ich begann, und zu meiner Schande muss ich sagen, FibM entstand aus einer Langeweile heraus, damals trug sie auch noch den unkreativen Namen „Unrockbar“, der mit dem Geschehen an sich eigentlich rein gar nichts zu tun hatte – und ich war mir sicher, in wenigen Tagen keine Lust mehr darauf zu haben, und die paar Seiten in den Mülleimer wandern zu lassen.

Jetzt schreibst du aber schon über zwei Jahre daran. Und es sind mittlerweile fast 500 Seiten.

Das stimmt. Und ich weiß, dass nicht nur ich mir wünsche, ich würde das noch weitere sechs Jahre tun.

Aber das willst du nicht?

Wer einmal tatsächlicher Autor werden will, brauch ein anderes Fundament als sexistischen Humor und eine Geschichte deren Handlung oftmals durch Alkoholexzesse eine dramatische Wendung nimmt.

Du klingst nicht gerade überzeugt von deinem Werk?

Ich halte meine Fanfiction schon für etwas besonderes, und zähle sie – eingebildet wie ich bin – sogar zu den besten Fanfictions ihrer Kategorie. Heißt, verglichen mit den Fanfictions die ich schon gelesen habe und die eine ähnliche Länge vorweisen können. – Aber ich lasse mich gern eines besseren belehren!– Im ernst, für eine Fanfiction ist sie großartig, dafür liebe ich sie, aber bei einem Verlag ankündigen kann ich mich damit kaum.

Nicht selten wundern sich Leute über deine Kreativität. Woher nimmst du all die Ideen? Hast du eine Muse?

Ich weiß nicht, warum mir diese Ideen nicht einfach einfallen sollten, ohne "Grund." Es mangelt mir selten an Handlung … eher an Motivation. Die Geschichte ist in meinem Kopf sowieso schon fertig geschrieben.

Dürfen wir auf ein dramatisches Ende hoffen?

Oh, ich schwanke noch ein wenig. Möglicherweise gibt es am Ende zwei Tote, oder auch nicht. Dann wird nur angedeutet, dass sie in Kürze sterben. Das hätte dann keinen soo faden Beigeschmack, oder? (guckt fragend) Was denkst du?

Ich glaube, sie werden dich hassen wenn du noch weitere Menschen sterben lässt. Das mit Körk haben sie dir schon nicht verziehen.

Stimmt. (lacht) Ja. Da hast du recht.

Deine Charaktere sind oft extrem, umso extremer die Geschichten hinter ihnen. Körk kann da als Beispiel dienen, ebenso wie Daniela und Franziska. Auch John.

Richtig, da hat jemand gut mitgelesen…

Warum?

Ich möchte eben auch extreme Emotionen, und ich weiß, dass ich diese mit den oben genannten Charakteren erreichen kann. Körk haben sie geliebt, Daniela und Franziska gehasst, mit John fühlen und leiden sie mit. – Klappt doch alles nach Plan! (lacht)

Gerade John erfreut sich größter Sympathie bei den meisten Lesern. Während Tayas Charaktermacken ihr oft übelgenommen werden, geschieht dies bei John nicht. Weshalb?

Keine Ahnung.
Das ist ein Phänomen! Ich hatte nie einen solchen Ansturm auf den Junkie erwartet, ehrlich gesagt. Er sollte dem Leser nahestehen, weil er immer eine treibende und wichtige Rolle spielt im Leben der Protagonistin, aber dass er derart geliebt werden würde, war nie geplant. Macht’s mir aber nur leichter – haha! Ich hoffe das diese Verbundenheit u.a. auch mit Taya zusammenhängt, möglicherweise übertragen sich ihre Gefühle auf meine Leserschaft. Das wäre der Idealfall.

Und was wäre der nicht ideale Fall?

Sie lesen die Fanfiction nur wegen John. (hustet, runzelt die Stirn und greift zu einem Glas Wasser um danach geräuschvoll zu schlucken.)

Lässt du dich in der Handlung der Fanfiction von deinen Lesern beeinflussen?

Auf keinen Fall bei Teilen, die längst schon geschrieben sind. Und momentan ist das noch so, das sie nicht dort sind, wo ich derzeit schreibe. – Tatsache ist aber, dass ich John schon mehrmals habe sterben lassen wollen, aufgrund vehementer Proteste dies aber immer wieder verschob.

Was heißt ‚verschob?’ Ist das noch in Planung?

(pfeift) Schönes Wetter heute, oder?

Kein Mensch würde deine Fanfiction mehr lesen, wenn es John nicht gäbe!

Oh doch. – Und wenn sie das nur aus Hass tun würden.

Das würde dir reichen?

Ja.

Du stellst keine hohen Ansprüche, oder?

Ich habe meine Ansprüche längst erreicht. Wenn mir Leser schreiben sie sind gerührt, oder trauern, oder freuen sich aufgrund MEINER Fanfiction, genauer gesagt ja MEINEN WORTEN, dann brauche ich keine weiteren Ansprüche mehr zu stellen.

Ich möchte aber doch noch mal auf vorhin zurückkommen. – Du bist also nicht mehr ganz so wild entschlossen das Fanfiction schreiben ganz einzustellen?

Nein. (räuspert sich)

Weshalb?

Ich habe in den letzten Wochen ein Buch gelesen, was praktisch die Idee für „meinen Bestseller“ ausgearbeitet längst behandelt hatte, und es war verdammt gut. – Aber kein Welterfolg. Vermutlich würde ich mich jetzt Unterbewusst nur an dieser Handlung entlang hangeln, und letztendlich einen billigen Abklatsch liefern. Das ganze hat mich ziemlich frustriert.

Und das brachte dich dazu doch wieder zur Fanfiction zurückzukehren.

Noch ist kaum etwas Neues geschrieben. Noch stehen mir alle Türen offen. Aber ja, ich spiele mit dem Gedanken.

Was ist ausschlaggebend dafür?

In erster Linie ist meine Angst, FibM nie wieder zu erreichen, und diese ist nicht unberechtigt. Und jetzt würde ich – das ist zumindest jetzt meine Annahme – auch nicht mehr einfach nur so schreiben, wie das für FibM geschah. Ich glaube schon, dass mir jetzt die Resonanz der Leser sehr wichtig wäre.

Und die glaubst du nicht zu bekommen?

Ich weiß, es gibt hier einige Slash-Freunde unter uns, aber sie sind nicht in der Überzahl. Und diese Fanfiction würde in diesen Bereich wohl immer mal wieder abrutschen, ich weiß nicht ob das Stammleser von FibM verkraften und hinnehmen würden. Zudem würde es keinen fiktiven Protagonisten mehr geben, das würde in diesem Fall bedeuten keine Taya mehr, sondern die Handlung würde sich – größtenteils – zwischen Die Ärzte selbst abspielen.

Das klingt alles schon sehr konkret.

Meine Fantasie ist nur schnell. (Grinst)

Damit machst du uns aber schon Hoffnungen.


Klar ist, ich werde auf jeden Fall wieder schreiben. Und da im Moment keine „Burner-Handlung“ ohne Die Ärzte greifbar ist –

Wird es wohl wieder eine Fanfiction?

Steht in den Sternen. Aber vielleicht ja.

Danke für das Interview.

Danke auch.

 

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Wer noch eine Frage hat kann diese gern an tamara[at]krantz.ch senden. Sie wird dem Interview dann angefügt. 

 

 



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