Kapitel 19 - Die Reise zu uns selbst | Der letzte Part überhaupt

Das ist es jetzt also.
Der letzte, letzte, allerletzte Teil. Ich kann's kaum glauben, um 23.12  habe ich ein Projekt beendet, das mich Jahrelang begleitet aber auch verfolgt hat.

Ehrlich und wirklich wahrhaftigen Dank an alle, die immer wieder mehr oder weniger Mühe in ihre Kommentare gesteckt haben, die still mitgelesen oder auch nur weitererzählten. Ihr seid ein zu beachtender Teil Fanfiction geworden & es hat mir sehr viel Spaß mit euch gemacht.

Bevor wir zu sentimental werden: In Kürze wird es hier nochmal ein neues "Kapitel" geben. Da findet ihr dann den Link zur Seite, wo ihr die gesamte FF als Glanzstück nochmal downloaden könnt, wenn's euch überkommt. Steht jedem frei.

Ansonsten, genießt die letzten Sätze. Ich hoffe ich bin jedem gerecht geworden, mir jedenfalls schon.
Vielleicht liest man sich ja mal wieder, es würde mich freuen.
Stay proud.











Farins Blick sollte mir wohl sagen, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.
Aber mit kam er trotzdem.

Auf der Rückfahrt fing es an zu regnen und Farin und ich saßen augenblicklich fröstelnd auf der Rückbank während Rodrigo von den geburtsvorbereitenden Kursen erzählte und von Diana die „unter den Hormonumstellungen so langsam einen aggressiven Touch“ bekam.
„Willst du damit sagen sie ist noch schlimmer als sonst?“
Farin erntete für diese kritisch gestellte Frage zu Rods Angebeteter einen bitterbösen Blick durch den Rückspiegel und lächelte erstmals wieder. „Respekt das du da bis jetzt noch ohne gebrochene Nase rausgekommen bist, mein Freund!“

Rodrigo kannte den Weg zu Evas Haus und ich war froh darum, dass er nicht auf eine Wegbeschreibung von Farin angewiesen war. Der hätte es fertig gebracht uns zum falschen Haus zu schicken und dann mit dem nächsten Taxi nach Hause zu fahren, wenn wir um die Ecke verschwanden.
Evas Haus war wunderschön.
Es sah aus wie eine hölzerne Villa aus den Zeiten des Wilden Westens, nicht weit entfernt von Berlin. Hunderte kleine Blümchen zierten den Weg vom Bürgersteig bis zur Haustür und in den Fenstern sah ich Basteleien der Kinder, die durch die Regen verhangenen Fenster regelrecht leuchteten. An der Seite konnte ich den Anfang einer riesigen Veranda sehen, mit großen Bastmöbeln auf den hellen Dielen des Holzes. Und während ich mich in dem Anblick des zauberhaften Hauses verlor sah Farin mehr denn je skeptisch zu ihm auf.
„Ich nehm dein Gepäck mit wenn du magst.“, sagte Rodrigo um ihn damit aus dem Auto zu scheuchen. „Weiß ja nicht was das für’n Eindruck macht, wenn du schon mit Koffern vor ihrer Tür stehst. Die Arme denkt noch, du willst bei ihr einziehen!“ Der Chilene wandte sich in seinem Sitz um und grinste frech. Das war die Revanche für den Seitenhieb auf Diana.

Farin seufzte laut und sah erneut nach draußen. Der Regen prasselte gleichmäßig auf das Autodach und klang fast wie der Trommelwirbel vor dem Ausstieg des Blonden. „Ja, ja mach mal.“, sagte er gleichgültig, zuckte die Schultern und öffnete die Tür. Ich lehnte mich auf die Seite und rief ihm nach, bevor er sie zuschlug: „Und schick mal was durch, wie’s gelaufen ist!“
Er hatte gerade einen Schritt auf das Grundstück gesetzt als Eva die Tür öffnete, sich lächelnd gegen den Rahmen legte und ihn mit verschränkten Armen ansah. Und Farin sah aus, als würde er sich nie wieder wegbewegen wollen.
Rodrigo drückte aufs Gas und überließ die beiden ihrer Eigeninitiative.
„Bist du bekloppt? Jetzt wo’s spannend wird haust du ab?“
„Na hör mal, ich stell mich ja wohl auch nicht vor Belas Schlafzimmerfenster wenn du ihn aufreißt, oder?“
„Aber du würdest gerne!“

Rodrigo lachte und klopfte neben sich auf den Beifahrersitz. „Na komm Schnecke, gesell dich noch ein paar Minuten zu mir, bevor ich dich die nächsten drei Wochen nicht zu Gesicht bekomme weil du sie in den Klauen des Grafen verbringst.“
Während der Fahrt von der Rückbank auf den Beifahrersitz zu klettern war am heutigen Tag neben Farin sicher die größte Herausforderung. Das mit Bela würde ganz geschmeidig laufen.

„Und, wie wird er denn heißen?“ Die Ultraschallbilder lagen vor mir auf dem Armaturenbrett.
„Louis.“ Rodrigo platzte vor stolz. „Dir ist schon klar das du Tanten ähnliche Pflichten zu erfüllen hast?“
Mein Blick verfinsterte sich ungewollt. Ich mochte ihn nur ungern in seiner Euphorie bremsen aber es schien ihn wenig zu stören.
„Ich nehm ihn erst wenn er süß ist und noch nicht nein sagen kann, oder widerspricht! Und sobald er das kann, werde ich ihn mit Freuden an dich zurückgeben!“
„Der ist von Anfang an süß!“ Rodrigo deutete während dem fahren auf die Ultraschallbilder und drückte sie mir erneut in die Hand. „Guck doch mal das putzige Gesicht an!“
„Ja, total. Du meinst dieses schwarz-weiß-schlecht-gepixelte-eierförmige-Ding?“
„Wir können ja später vergleichen ob das von dir und Bela schöner aussieht.“, witzelte Rod und erntete sofort verbalen Protest.

„Nun ja.“ Er parkte in Belas Einfahrt, steckte mir den Schlüssel zu und deutete zufrieden auf die Haustür. „Viel Erfolg Mädchen.“ Lächelnd ließ er sich umarmen und fuhr dann sofort wieder los, nachdem ich ausgestiegen. Ich fragte mich warum er so wenig natürliche Neugier besaß.
Der Regen prasselte auf mich hinab und erinnerte mich damit daran in welchem Land ich mich befand. Aber selbst die dunklen Wolken, der schneidende Wind und die Regentropfen auf meiner Haut, die Pfützen im Kies, die ungeputzten Fenster, die noch verschlossene Tür waren wunderschön wenn ich bedachte, das sie alle Teil des Tages waren, an dem ich zum ersten mal etwas bewusst und entschlossen richtig tat.
Und das es das war, fühlte ich, als ich den Schlüssel in das Schloss schob und umdrehte.




_ _ _


 
_ _ _





Er hörte aus der Küche geschäftiges Klappern mit Geschirr und mehrmals die Kühlschranktür, wie sie unsanft auf- und zugeschoben wurde, während er vor dem noch schwarzen Bildschirm saß und wartete.
Es konnte nichts schief gegangen sein, das wusste er.
Sie liebte ihn, er liebte sie. Ein unkompliziertes Ding, wenn man von den vergangenen Jahren absah.
Aber er kannte Taya gut genug um zu wissen, dass sie in ihrer Mail sicher etwas bereithielt, was ihn amüsieren könnte. Und er wollte sich nur noch einmal bestätigt darin wissen, dass alles gut gegangen war.

„Was tust du da?“
Unvorbereitet sprang das braungelockte Mädchen auf seinen Schoß, rutschte von seinem linken auf das rechte Bein und wieder zurück, und verfehlte während sie sich abstützte nur knapp seine Weichteile, was Farin einen Moment die Luft anhalten ließ.
Sie war so grazil.
 „Was machst du?“, fragte sie erneut nörgelnd und lehnte sich an ihn an, während er das Internet startete um nach seinen Mails zu sehen.
„Ich sehe nach ob mir eine Freundin geschrieben hat.“
„Weshalb?“

Er würde sich an die Fragerei gewöhnen müssen, dachte er lächelnd. Er würde sich daran gewöhnen müssen das Kinder um ihn herumturnten, dass sie ihn mit großen, braunen Augen ansahen und löcherten, bis sogar seine Schamgrenze erreicht war.
„Sie wollte mir schreiben ob es mit ihrem Freund geklappt hat.“ Er überdachte die Formulierung und sagte dann: „Ich will wissen ob sie mit dem Mann zusammen ist, den sie liebt.“
Er überlegte ob ein kleines Mädchen in diesem Alter, nicht älter als eine handvoll, die Tragweite eines solchen Satzes überhaupt erfassen konnte. Wahrscheinlich nicht.
„So zusammen wie du und Mama?“
Er legte seinen Kopf auf ihren und lächelte zart.
„Ja, so wie ich und Mama.“

Er sah die Email mit Tayas Absender und das Zeichen für einen Anhang. Er war vielleicht noch nicht der geborene Vater, aber dass es fahrlässig war eine bald fünjährige auf Fotos von Taya loszulassen, die er zuvor noch nicht gesehen hatte, war ihm bewusst.
Um Pauline die Sicht zu versperren legte er ihr die Hand über die Augen und klickte auf die Dateien. Als er sie erblickte lachte er so ungehalten und laut, dass das Mädchen fürchtete es könnte etwas verpassen, weshalb es sich energisch die Hand des großen Mannes von den Augen zog und auf den Bildschirm sah. Dann runzelte sie die Stirn.
„Was macht die Frau da?“

Farin wollte einfach keine kindgerechte Erklärung dazu einfallen.

„Warum ist sie angezogen in der Badewanne mit dem nackten Mann?“
Dem Blonden wären noch tausend weitere Fragen eingefallen.
Warum hatte sie einen roten Abdruck auf der Wange, der verdächtig nach Ohrfeige aussah? Wieso hatte Bela sich, aber nicht Taya ausgezogen? Wie lange hatten sie für dieses Foto posiert, das offensichtlich mit Selbstauslöser gemacht worden war? Warum ließ sich Bela einen Knutschlfeck auf der Stirn gefallen?

Unter dem Foto stand nur:
Es ist noch komplizierter und katastrophaler abgelaufen, als das Foto vermuten lässt. Wir quatschen bei Gelegenheit drüber.

„Ist das deine Freundin?“
Paulines winzige Finger deuteten auf das lächelnde Gesicht von Taya. Farin nickte.
„Aber man geht nicht angezogen in die Badewanne, oder?“, empörte sich das kleine Mädchen und sah seine Welt auf den Kopf gestellt.
„Da siehst du mal. Sie ist fünf mal länger auf der Welt als du, und weiß das noch nicht. Du bist ganz schön schlau!“ Sie lachte und schmiegte ihren Kopf an seine Schulter.
Verrückte Welt.

Er konnte Eva und Josephine in der Küche reden hören und genoss ihre Stimmen in seinen Ohren, bis Pauline auf seinem Schoß zu zappeln begann, von ihm hüpfte und ans Fenster rannte. „Was ist das?“
Er stand auf um ihr zu folgen, hob sie auf die Fensterbank und hielt sie dort fest, um mit ihr das funkelnde Goldstück vor dem Fenster zu beobachten. Es sah aus wie das Überbleibsel eines Armbandes, zumindest war es nicht vollständig. Ein Anhänger, ein goldenes Clowngesicht reflektierte die Sonne und lachte ihnen entgegen. Und während Pauline sich begeisterte, spürte Farin etwas in sich aufkeimen, dass sich nicht gut anfühlte.
Ein Gefühl das ihn warnte, das ihm sagte, das war nicht gut, irgendetwas stimmte nicht. Aber er konnte sich einfach nicht erinnern.
Er wusste es stammte aus einer Zeit die er völlig ausgelöscht hatte, er spürte es an der Art wie ihn das Gefühl beschrie wenn er auf das Clowngesicht sah, wie es sich ausbreitete in seinem Brustkorb und sich auf seine Kehle legte, wie ein Seil das ihn erwürgen wollte.

„Ihr sollt zum Frühstück kommen.“, verkündete Josephine hinter ihnen stolz, was ihre Schwester dazu veranlasste sofort von der Fensterbank zu rutschen.
Aber Farin vergaß den goldenen Clownanhänger nicht so schnell wie das braungelockte Mädchen. Er starrte ihn an und überlegte. Sein Gefühl prügelte regelrecht auf ihn ein, aber es konnte ihm nicht sagen woran er sich nicht mehr erinnerte.

„Mama sagt, wenn du nicht gleich kommst macht sie nie wieder mit dir, was sie letzte Nacht gemacht hat.“ Josephine zerrte an seiner Hand und versuchte ihn Richtung Küche zu bewegen.
Mühsam wandte er den Blick ab und sah in das strahlende Kindergesicht. Und dann dachte er: Es war zwecklos sich Sorgen zu machen.
Und überhaupt.
Wer hätte sich Sorgen machen wollen, wenn er dieses wunderschöne Gesicht und dieses ehrliche Lächeln genießen konnte.

„Hast du gehört Jan?“, rief Pauline aus der Küche und spähte zu ihm herüber. „Mama sagt, sie macht das nie wieder mit dir, wenn du nicht pünktlich bist!“ Und kurz darauf hörte er sie fragen: „Was hast du denn mit ihm gemacht Mama?“
Eva lachte nur.
Es war wieder da. Mit ihrem Lachen war es wieder da. Ein Gefühl von Ruhe und Zufriedenheit, gleichmäßig verteilt über jede Pore, es füllte ihn aus, es gab ihm Heimat an jedem Fleck dieser Erde. Es zeigte ihm was ihm sein Leben lang gefehlt hatte.
Sorgen waren doch nur Zeitverschwendung.
Es blieb einfach nur zu hoffen, dass dieser Zustand länger halten würde, als nur für immer bis morgen.













Ende.
14. Juni 2009
23:12 Uhr

14.6.09 23:20
 


Werbung


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sanne (16.6.09 21:05)
Hach jetzt ist Schluß und ich weiß nicht ob ich mich freuen soll oder weinen.....es ist eine sehr schöne Geschichte geworden, auch wenn am Ende Taya etwas kurz gekommen ist - auf die Versöhnungsszene hatte ich mich gefreut.

Danke für die vielen schönen Stunden das macht das warten wieder gut.


babs (19.6.09 21:10)
Danke für die FF
Das hat mir alles sehr gefallen und du hattest echt ein kreatives Köpfchen ... war super!
Am Ende hätte allerdings echt die Taya noch etwas mehr "reden" können ... aber es war trotzdem gut.

Also .... Danke danke danke für 1000 volle Seiten in Word :D


anna (21.6.09 18:59)
aus. einfach aus. irgendwie.. .. unglaublich schade,,.. aber schönes ende
aber zu offen. aber aaahrg... abe schön, keine ahnung.

danke


anna (4.8.09 00:06)
wirds den link noch geben, oder hast du uns schon vergessen? :D


AssCookie (9.9.09 20:06)
Nein, nein. Den gibts noch. Ich lese noch Korrektur. Ein bisschen. ^^

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen


Gratis bloggen bei
myblog.de