Kapitel 19 - Die Reise zu uns selbst | Part 4

Ich hoffe ihr verzeiht mir die Ewigkeiten Wartezeiten, Erklärung & Entschuldigungen spar ich mir einfach und beglücke die wohl wenig übriggebliebenen Lesern mit einem saftigen (aber nicht dem letzten Stück!) FF.



 „Du musst dich nicht rechtfertigen nur weil du jemanden liebst Taya. Und wer könnte besser verstehen als ich, dass man sich in Bela verliebt?“
„Na und wie glaubst du wird er reagieren wenn ich einfach so vor seiner Tür stehe und sage: Weißt du was Bela, nach gefühlten dreißig Jahren, zehn gebrochenen Herzen und unzähligen Beleidigungen, nach verbalen Ermordungen und einer Reihe äußerst unfairer Aktionen wollte ich dir nur sagen das ich dich jetzt doch liebe?
Oh, er wird sicher quietschen vor Begeisterung!“

Farin zog langsam den Hut von seinem Kopf, legte ihn an seinen Bauch und funkelte mich an. „Hast du damit gerade zugegeben das du ihn liebst, oder bilde ich mir das ein?“
Mein Herz klopfte verräterisch und schien beinah zu nicken. Schließlich tat ich es auch. „Ein bisschen. Vielleicht.“
„Ein bisschen vielleicht.“ Farin lachte und strich mir sanft die Schweißperlen von der Stirn. „Ich könnte wetten die kommen nicht vom Wetter…“
Er drehte den Hut in den Fingern hin und her und sagte dann lächelnd: „Es wird ihm völlig scheiß egal sein was du vorher gemacht hast. Meinst du er lässt sich eine Gelegenheit nehmen, in der du ihm sagst das du ihn liebst? Er nimmt das eher auf um dich daran zu erinnern, wenn du ihn wieder hasst.“
„Du bist dir sicher?“
„Ich bin mir sehr sicher.“

Farin lächelte weiter milde und sah sich scheinbar am Ende seiner Ziele. Ich hatte wohl keine Ahnung wie viele Gedanken, wie viel Mühe und Hoffnung er in mich und Bela schon setzte, aber offensichtlich war er sich nun sicher, dass sie nicht vergebens war.
„Und was ist mit dir?“, fragte ich vorsichtig und kam aus einem Kreislauf ertappter Gefühle gar nicht mehr heraus. Eigentlich war es ein ungeschriebenes Gesetz gewesen auf dieser Reihe nicht über eventuelle Partner zu sprechen. Für ihn wie für mich.
„Ich? Na ja, mir wird es fehlen das niemand mehr das Equipment zerstört und sich über meinen Fahrstil aufregt, ich werde weniger zu Essen kriegen weil ich alleine weniger gutaussehe als mit dir. Man wird mir keine Esel oder Kamele mehr für dich bieten und somit ist meine finanzielle Sicherheit auch dahin. Aber ich komm schon ganz gut alleine klar.“
„Das meinte ich nicht.“, sagte ich ernst und rutschte ein wenig an ihn heran, ohne dabei aufdringlich wirken zu wollen.
„Ich weiß.“ Er positionierte seinen tief über die Augen. „Aber über das was du meintest, will ich nicht sprechen.“

Er sagte es so bestimmt das es mir beinah die Hartnäckigkeit raubte. Stur konnte er sein, so stur und so ernst, dass sich jeder gute Vorsatz, jedes Vorhaben, jede Gegenparole einfach in Luft auflöste oder sie an der harten Fassade zum zerbröseln brachte.
Aber ich ließ mich diesmal nicht ganz so schnell abwimmeln.
„Urlaub, das ist unfair! – Du bist nicht viel besser als ich! Du trägst deinen Brief auch pausenlos mit dir herum und du liest ihn bei jeder Gelegenheit. Geschichten über Körks Kinder erzählst du mit so viel Liebe, das jedem das Herz aufgeht, der sie hört. Selbst die Einheimischen haben das gesagt und die haben nicht mal die Sprache! Du strahlst wenn du ihre Namen sagst, deine Augen glänzen wenn du über Eva redest oder die Schrift auf den Briefen mit deinen Fingern nachfährst. Du hast dein Handy mitgenommen, nur für den Fall das sie dir schreibt, obwohl wir keinen Empfang haben und sie kein funktionierendes besitzt, und du stehst trotzdem jeden Tag davor und wartest auf eine Nachricht.
Du schreibst Lieder über sie, die schöner sind als alles andere was du je geschrieben hast, und du fragst mich andauernd nach Körk, weil du wissen willst, ob du das darfst; Verliebt sein in seine Frau.
Und ich bin mir sicher es ist das schönste was Körk sich vorstellen kann.“

Ich sah Farin langsam schlucken aber der tiefgezogene Hut versperrte mir die Sicht auf seine Augen. Als ich ihn abnehmen wollte, zog er ihn verärgert zurück.
„Von mir aus kannst du mich zum Flughafen schicken, aber ich werde nicht ohne dich gehen. Ist mir egal wie groß und stark du bist, ich nehms mit dir auf!“
„Und wie stellst du dir das vor? Ich marschier bei ihr auf und sage: Hey Kollegin, ich hab deinen Mann gekillt, aber dich würd ich trotzdem gern flachlegen?“

Er klang wütend und verschränkte ablehnend die Arme vor der Brust, als ich über ihn kletterte und mich vor ihn auf seine Beine setzte. Diesmal war ich schnell genug um ihn von dem Hut zu befreien, bevor er eingreifen konnte.

„Ich weiß nicht wie oft wir dir das noch sagen sollen, aber du hast niemanden getötet!“ Ich nahm sein Gesicht bestimmt in meine Hände und sah ihm beschwörend in die Augen.
„Du bist nicht daran Schuld, Jan. Wir sind nicht daran Schuld! Und sie ist genauso sehr in dich verliebt, wie du in sie! Hast du vergessen was Rodrigo gesagt hat? Sie ist vollkommen aufgelöst bei ihm aufgetaucht, weil du einfach verschwunden bist ohne dich zu verabschieden, ohne nur ein Wort zu sagen das du überhaupt verreist! Du kannst dich nicht ewig vor ihr verstecken und das willst du auch gar nicht. Jetzt hab mal’n bisschen Arsch in der Hose und ran ans Fleisch! Oder willst du das Eva erst hier her kommen muss, um dich mit ungefärbter Mähne und fünf-Tage-Bart aufzureißen?“
Der wässrige Glanz in seinen Augen war sicher auch kein Schweiß und das verlegene Lächeln keine Heuchelei. Er sah mich an, zwei, drei Sekunden und dann umarmte er mich überglücklich. Als hätte er eine Erlaubnis gebraucht, Eva zu lieben.

Er schob mich von seinen Beinen, schubste mich in den Staub, zog die Zügel seines Esels an sich und saß schneller im Sattel als jemals zuvor.
„Ich weiß ja nicht wie du das siehst.“, sagte er und drehte sich halb zu mir um, während er das Tier antrieb. „Aber ich habs ziemlich eilig.“

Die armen Vierbeiner hatten unter unserem euphorischen Aufschwung ganz schön zu leiden, fügten sich aber irgendwann ihrem Schicksal. Dafür entging dem eigentlichen Besitzer ein Ausraster á la Urlaub, denn Farin war zu gutgelaunt um sich über das Preis-Leistungs-Verhältnis zu beschweren und zahlte dankend die, zumindest für Einheimische, horrende Gebühr für die Ausleihe der Tiere.
Der Jeep stand noch an Ort und Stelle und Farin warf nur einen flüchtigen Blick auf die Rückbank, bevor er die Sachen in den Wagen schmiss und sich auf den Fahrersitz setzte. Bei dem Versuch die Landkarte in Rekordzeit aus dem Handschuhfach zu ziehen und sie gleichzeitig zu entfalten zeriss er sie beinah. Nur ein paar graublonde Spitzen lugten hinter dem Papierberg hevor, den er vor sich aufgebaut hatte und auf Augenhöhe hielt.
„Also wenn wir etwa 200 Kilometer nach Südost fahren erreichen wir diesen Fluss an dem wir uns schon bei der Hinfahrt orientiert haben. Am besten wäre es“, er ließ die Karte sinken und sah durch die Heckscheibe in den Himmel, „ha, diese Reiseführer! Der letzte Dreck! Die empfehlen dir doch tatsächlich sich an den Sternen zu orientieren? Entschuldigung?!“

Aber Farin war Feuer und Flamme den Weg zu finden, preschte durch die staubige Landschaft und heizte den Jeep durch jedes Dritte Schlagloch, weil er es in seiner Euphorie einfach übersah.
Die Hälfte meines Sitzes war nass, weil ich es während der bereits mehrstündig andauernden Fahrt nicht geschafft hatte, einen Zeitpunkt zum Trinken zu finden, in dem Farin nicht eines der Schlaglöcher oder einen Graben persönlich grüßte. Und obwohl sich der Inhalt meiner Wasserflasche also größtenteils über die Polster verteilt hatte und nicht in meinem Magen gelandet war, musste ich irgendwann.
Pinkeln passte aber nicht in den rasanten Plan des Farin U.

„Jaaan…“, stöhnte ich und stieß ihm müde in die Rippen. Hitze, Staub, die unruhige Fahrt mit dem Jeep und eine schon seit Ewigkeiten gefüllte Blase machten mir zu schaffen. „Bitte! Wir können doch jetzt wohl mal fünf Minuten halten! Oder soll ich’s einfach laufen lassen?“
Er wandte den Kopf nicht von der Straße ab, obwohl ich ohnehin nicht den Eindruck hatte, dass er diese besonders Aufmerksamkeit studierte, dafür sprach jedenfalls nicht seine Fahrweise. Und nach kurzer Bedenkzeit sagte er: „Na ja, was soll’s? Der Sitz ist doch eh längst nass.“
„Hallo? FÜNF MINUTEN?“

Er hielt nicht und ich murrte vor mich hin. Vielleicht hätte ich ihn nicht allzu sehr in seiner Liebe zu Eva bestätigen sollen. Das kostete mich jetzt eine Blasenentzündung.
Und dann, nur ein paar Minuten später, als wir aus den verlassenen Dörfern kamen und den wüstenähnlichen Teil der Strecke passierte, legte er inmitten der staubigen Piste eine Vollbremsung hin, beugte sich über mich und öffnete mir die Tür.
„Bitte.“, sagte er und grinste dämlich. „Aber jetzt will ich doch auch pinkeln sehen, Freundin!“
Weit und breit nichts außer rotem Staub und aufgerissener Erde.
Das war der übliche Machtkampf den wir schon früher geführt hatten, die dämliche Spaßstreiterei die für Respekt sorgte, gewann man eines dieser Duelle.
Fest entschlossen stieg ich bestimmten Schrittes aus dem Jeep, richtete kurz den Blick zum wolkenlosen Himmel und dachte mir, wenn ich einfach ein paar Schritte hinter den Wagen trete, sieht er wenigstens nicht die ganze Vorstellung.

Mir war bewusst das er in den Rückspiegel blickte, aber ich war mir ebenso sicher das er mich nicht sah. Doch meine ganze Taktik nützte nichts, er legte den Rückwärtsgang ein, verfehlte mich beim vorbeifahren sogar nur knapp und hielt mit der noch offenen Beifahrertür direkt neben mir.
Ausgelassen lachend warf er mir ein paar Taschentücher entgegen und witzelte: „Ich werde Bela sagen das er dich auf ‘ne Runde Pinkelspiele einladen soll, du siehst einfach fantastisch dabei aus!“
Mürrisch erklomm ich den hohen Sitz neben Farin, schlug die Tür kräftig zu und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Und mit dem bösen Blick schaffst du’s sogar in die SM-Gilde!“



Nach zweieinhalb Tagen Rückreise erreichten wir den Flughafen der sich fast ein bisschen wie Heimat anfühlte. Auch Farins Blick war ein einziges Deja-vu, als er mir zähneknirschend einen Teil des Gepäcks abnahm und vorraus humpelte, ächzend vor Schmerz und Anstrengung bis zum nächsten Gepäckwagen.
Nicht einmal die kiloschwere Masse bremste seine Euphorie. Ich hatte immer noch Mühe mit ihm auf gleicher Höhe zu gehen ohne dabei zu hecheln.
„Weißt du wo’s langgeht?“
Ich fragte vorsichtig, denn Farin reagierte derzeit äußerst empfindlich auf jegliche Art von Kritik, aber sein Zickzack-Gang, zwischen den im Vergleich winzigen Indern und den restlichen Ausländern, überzeugte mich nicht von seiner Orientierung.
„Die Liebe wird mir schon den Weg weisen.“, sagte er mit bedeutungsvoller, schwerer Stimme und lachte herzhaft als er meinen angewiderten Blick sah. „Ja, natürlich weiß ich wo es langgeht. Wir waren hier schließlich erst vor siebeneinhalb Wochen!“
 
Farins Nervosität äußerte sich oftmals darin, dass er unglaublich albern wurde. Und Farin war die ganze Flugzeit von gut neun Stunden nervös.
Ich drehte durch.
Er lachte als die Stewardessen mit den üblichen Sicherheitsinformationen begannen, er lachte als wir diese dann auf Englisch mit indischem Akzent hörten, er lachte als sie das Essen brachten, er lachte als die Leuchtanzeigen für die Sicherheitsgurte ausgingen. Ständig lachte er und dann folgte ein: „Ist das nicht witzig?“
Ich hatte Farin nun knapp siebenhundertmal sagen hören „Ist das nicht witzig?“ und fand ihn persönlich mittlerweile alles andere als witzig.

Als er grinsend von der Toilette kam verspürte ich schon einen leise brodelnden Agressionsstau in mir, aber immerhin lachte er nicht. Er saß dann neben mir, packte Josephines Brief aus und in beruhigte damit meine Nerven. Darüber würde er ja wohl kaum lachen können. Und dann kam es.
„Guck mal wie merkwürdig sie das ‚a‘ schreibt. Ist das nicht witzig?“

Ich glaube die Wucht mit der ihm der Schlag am Hinterkopf traf überraschte ihn und setzte ihn für einen kurzen Augenblick außer Gefecht.
„Wenn du noch ein einziges Mal ‚ist das nicht witzig?‘ sagst Urlaub, polier ich dir die Fresse! Von mir aus kannst du dich einpullern wegen zu hohem Blutdruck und Todesangst beim Gedanken an deine Angebetete, oder aus Vorfreude, oder weil alles SO WITZIG ist, aber wenn das noch ein einziges Mal über deine Lippen kommt –“
„Meine Güte!“ Der Schmerz an seinem Hinterkopf musste nachgelassen haben, das verrieten die entspannten Augenbrauen und die wiedergefundene Sprache. „Wenn der Sex mit Bela genauso zärtlich abläuft, tut er mir echt Leid!“ Er funkelte mich an, rieb sich symbolisch den Hinterkopf und vervollständigte den beleidigten Ausdruck mit einem: „Blödes Miststück!“
Den Rest des Fluges gluckste Farin zwar manchmal noch, sah mich dann aber sogleich schuldbewusst an, weshalb er einem weiteren tätlichen Angriff entging.

Ich war irgendwann an seiner Schulter eingeschlafen und erwachte als die Maschine über Berlin kreiste und kurz davor war den Landeanflug zu starten.
Der Gitarrist war nicht gerade der dunkelhäutigste Mensch den ich kannte, aber in diesen Minuten war seine Gesichtsfarbe so weiß, dass er wie eingeschneit aussah.
„Ist dir schlecht?“
Sein Blick wanderte nur mühsam von seinen Fingern zu meinen Augen. Dann schüttelte er langsam den Kopf.
„Was ist denn los? Du siehst absolut beschissen aus!“
„Dein Charme ist unvergleichlich.“, brummte er und wandte sich wieder ab. Ich hätte nicht gedacht das der unerschrockene Farin Urlaub nur eine einzige Angst kannte: die vor angebeteten Frauen.

Ich sah meinem Wiedersehen mit Bela wesentlich entspannter entgegen. Die lange Rückreise hatte mir Zeit gegeben mir Worte zurechtzulegen, mich darauf vorzubereiten und nun war ich entschlossen und gewappnet, auf jede Eventualität.
Farins leicht zitternde Hand auf seinem Bein hingegen, zeugte nicht von großer Gelassenheit und einem guten Plan. Er hatte sich in den letzten Tagen wohl einfach in paradiesischen Vorstellungen von einer Zweisamkeit mit Eva verfranzt, aber mental noch nicht geklärt, wie er die herstellen würde.

Während wir die Maschine verließen bombardierte mich Farin mit Informationen die er mir bis hierher verschwiegen hatte und seine Nervosität trug nicht gerade dazu bei, sie leichter verdaulich zu verpacken.
„Rodrigo hat einen zweiten Wohnungsschlüssel von Bela. Er holt dich hier am Flughafen ab, fährt dich zu ihm und drückt dir den Schlüssel in die Hand, dann kannst du ihn ohne Vorwarnung überraschen. Bela wird auf jeden Fall Zuhause sein weil – weil“, während ich keuchend neben ihm herrannte fasste er sich gedankensuchend an den Kopf, „verdammte Scheiße ich weiß nicht mehr warum! Ich hab das abgeklärt – während – als wir da in Indien waren und – na ja.“ Ich konnte ihn immer noch denken sehen. „Egal, es wird funktionieren. Irgendwie ist das organisiert.“
Meinen Dank hörte er nicht.
Wir folgten der Menschenmasse die sich vor uns durch Türe und Gänge schlängelte und uns den Weg wies. Farins Orientierung hatte sich bei seinem seelischen Zustand sicher ausgeschalten weshalb ich für die Wegplanung zuständig war.

Wir sammelten noch unser Gepäck ein und standen dann in den öffentlich zugänglichen Hallen, wo ich auf Rodrigo warten würde und Farin alleine weiterzog. Er bemerkte erst gar nicht das ich stehen geblieben war und stoppte erst kurz vor dem Hauptausgang – dabei hatte ich mich längst damit abgefunden das er ohne jede Verabschiedung von dannen zog.
Er drehte eilig um, kam zu mir zurück und schloss mich fest in seine Arme.
„War schön mit dir so.“, sagte er mit heiserer Stimme und legte seinen Kopf auf meinen. „Und danke für’s in den Arsch treten.“
Ich konnte sein Herz klopfen hören und fühlen und spürte die kalten Hände an meinem Rücken. Das musste Liebe sein.
„Du musst alles entschuldigen falls ich mich gerade daneben benehme.“, fügte er an ohne mich loszulassen. „Aber mir schlottern ein wenig Knie…“
„Tatsächlich? Merkt man gar nicht.“
Strahlend schob er mich von sich, schien die Ironie in meiner Stimme nicht gehört zu haben und sagte noch während er sich umdrehte: „Schick mal ‘ne Mail durch, wie’s gelaufen ist, oder so.“ Und dann verschwand er in den Massen der An- und Abreisenden.


Ich setzte mich auf eine der Bänke, schmiss mein Gepäck zu meinen Füßen und überflog die Menschen um mich herum.
Farins Nervosität war an mir nicht spurlos vorbeigegangen. So langsam ging auch mein Herz schneller als sonst, pochte schmerzvoll gegen meine Brust.
Ich freute mich darauf Bela zu sehen. Wenn ich ihn mir vorstellte musste ich lächeln. Wenn ich die Augen schloss konnte ich ihn riechen, konnte seine Hände auf meiner Haut spüren.
„Taya?!“
Rodrigo sah mich ein wenig skeptisch an und musterte mich aufmerksam als hätte ich eine merkwürdige Krankheit zu verstecken.
Das Lächeln in meinem Gesicht konnte ich nicht unterdrücken und beim Anblick des schwarzhaarigen Chilenen machte mein ganzes Inneres einen freudigen Hüpfer. „Chilenchen!“
Ihn umgab immer noch diese strahlende, beinah heilige Aura und die Glückseligkeit die er ausstrahlte war kaum mehr zu ertragen. Bevor ich irgendetwas hatte sagen können kramte er umständlich ein paar Ultraschallfotos seines Kindes aus dem Geldbeutel und hielt sie mir unter die Nase. „Willst du mal sehen, willst du mal sehen? Also hier – da ist der Kopf und hier, das, das ist also, es wird ein Junge, siehst du?“ Ich sah nichts außer viel schwarzweiß. Aber Rodrigo strahlte mich so glücklich an, dass ich ihm zuliebe gleich ganze Gesichtszüge und vor allem die Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Nachwuchs erkennen konnte.

Doch meine improvisierte Kunst im Ultraschallbilder analysieren fand ein abruptes Ende als ich Farin nicht weit von der Anzeigetafel der nächsten Fluge stehen sah. Sein Gepäck neben ihm studierte er die Flugziele der folgenden Maschinen.
Ich drückte Rod seine Fotos in die Hand und ließ ihn mit einem „Warte mal kurz!“ zurück, rannte zu Farin und rempelte ihn ziemlich unsanft von hinten an.
„Wird’s jetzt bald oder was? Du guckst dir doch nicht gerade im Ernst an in welches Land du diesmal abhauen kannst, oder?“
Farins Mimik wechselte von verärgert zu bestürzt und dann zu schuldbewusst.
„Nur ein bisschen…“
„Nur ein bisschen? Du haust nur halb ab oder was?“
Rod erschien hinter mir und betrachtete Farin mit einem schmunzeln. „Da hat dich aber jemand ganz schön im Griff, kann das sein? War ja sicher spaßig in eurem Urlaub.“

Farin rollte die Augen als wollte er sagen: Hast du ‘ne Ahnung. Er sprach es aber nicht aus.
„Ich schlage vor wir nehmen dich mit und setzen dich vor Evas Hütte ab, hm?“, sagte Rod vorsichtig und nickte mit dem Kopf in meine Richtung um zu symbolisieren, dass ich sicher darauf bestehen würde. „Und apropos, willst du mal Ultraschallbilder sehen? Taya sagt, man sieht schon das er nach mir kommt und ich finde da hat sie gar nicht so unrecht!“

Farins Blick sollte mir wohl sagen, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.
Aber mit kam er trotzdem.

11.6.09 14:51
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


babs (12.6.09 10:32)
Och nee.
So ein "schönes" Ende ... da hätte locker noch ein Absatz rangepasst

Und endlich hats die liebe Taya mal verstanden ... und der Farin ja auch. Ich hoffe ja mal, alle werden glücklich, irgendwie... aber es gibt kein schnödes tuffi-happy-end, ja?! :D

Mich grauts jetzt schon, dass die Sache hier B A L D zu Ende ist ... hach.

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