Kapitel 19 - Die Reise zu uns selbst | Part 3

Wer war das in Bochum, der mir über Köpfe hinweg zugeschrien hat, dass er diese FF liest und sie toll findet? mag sich mal jemand outen? :D

Ansonsten: Ja, es gibt die FF noch. Verzeiht mir, aber mir fehlt die Zeit fürs schreiben, und die letzten Seiten möchte ich schon noch mit Genuss vollenden. (Das hier ist NOCH nicht das Ende, da kommt noch was! )




Ich lag auf dem Rücken und starrte an die Zeltdecke an der unser kleiner, provisorischer Kalender hing. Farin hatte jeden erlebten Tag sorgfältig durchgestrichen und an diesem Morgen stellte ich fest, dass es eine gute Idee gewesen war. Mein Zeitgefühl hatte keinen blassen Schimmer wie lange wir schon unterwegs waren.
Mit dem Finger in der Luft zählte ich die durchgestrichenen Tage. Es waren 52.
Ich drehte mich auf die Seite und sah Farin eingemummelt in seinem Schlafsack, die mittlerweile grau-blonden Haare standen in alle Richtungen ab, er seufzte leise durch die kaum geöffneten Lippen.
Unter dem Kopfteil seines Schlafsackes lugte der Brief von Körks Tochter hervor.

Wir waren schon mehr als sieben Wochen unterwegs, ich hatte ihn schon mehr als 50 Mal so schlafen sehen und es rührte mich immer noch.

Die Luft im Zelt war stickig und warm. Ich kroch leise aus meinem Schlafsack, steckte Belas Bierdeckel zurück in meine Hosentasche und verbrachte Minuten damit, den Reißverschluss unserer mitwandernden Unterkunft so leise zu öffnen, dass Farin davon nicht wach wurde.  
Es war erst kurz nach Sonnenaufgang und die Luft roch noch nach kühler Nacht und absoluter Ruhe.
Ich fischte noch einen von Farins riesigen Pullis aus dem Zelteingang, zog ihn mir über und ging vorsichtig hinüber zum Klippenrand um mich dort hinzusetzen und die ersten Sonnenstrahlen einzufangen.

Farin mochte es nicht, wenn ich mich in der Nähe irgendwelcher Abgründe aufhielt, und das konnte ich ihm kaum verübeln. Er verbot es mir zwar nicht ausdrücklich, aber sein Blick sprach Bände und als wir am vergangenen Abend unser Zelt auf dieser Anhöhe aufgeschlagen hatten, führte das im Blonden zur regelrechten Konfliktsituation. Er war zwar auch müde und hatte auch keine Lust mehr weiterzugehen, aber in der Nähe der Klippen zu übernachten war ihm ebenso ein Dorn im Auge.
Ob das Leben zuhause sich schon verändert hatte?
Vielleicht, ich meine, möglich war das ja, vielleicht hatte Bela auch jemanden gefunden, der ihm gerecht wurde.

60 oder 70 Meter unter meinen Füßen rauschte leise das Meer und prallte gegen die Felswand. Es glitzerte zaghaft als die ersten Sonnenstrahlen über das Wasser huschten.
 
Vielleicht war er auch umgezogen, weil er es nicht ertrug Rodrigo überglücklich mit Diana zu sehen, die mittlerweile die ersten Ultraschallbilder in der Hand halten musste.

Die ausgedörrte Wiese hinter dem Zelt wiegte sich leicht und geräuschlos in der Meerbrise die sie heimsuchte. Wenn Farin heute bei tageslicht sehen würde, dass wir auch auf Sand und verdorrten Pflanzen anstatt auf scharfem Fels hätten schlafen können, würde er mich sicher verprügeln. Aber ich liebte es in der Nähe der Wellen zu schlafen, auch wenn ich sie nur hören und nicht sehen konnte.

Vielleicht saß er auch bei John in der Wohnung, weil es da immer noch ein bisschen nach mir aussah und weil mein bester Freund ein Meister darin war Geschichten von mir zu erzählen, so lebendig, dass man sie vor seinem geistigen Auge sah. – Was bei peinlichen Geschichten kein besonderer Triumph war.
Der Himmel bekam eine rosarote Farbe und mit ihr wichen die letzten, puderzuckerartigen Wolken. Es würde heute sicher wieder heiß werden, zur Freude unserer Esel, deren Motivation damit wohl gerade gen Nullpunkt sank.

Vielleicht machte er aber auch gar nichts derartiges, vielleicht hatte er sich längst mit allem abgefunden, vielleicht hatte er mich vergessen und vielleicht wäre dieses Kapitel einfach abgeschlossen und vorbei, wenn wir irgendwann zurück nach Deutschland kamen.

„Ich hasse es, wenn du meine Sachen trägst.“
Ich drehte mich ruckartig rum und sah Farin in weiten Shorts vor dem Zelt stehen, mit mildem Lächeln und dem Schlaf noch in den Augen. Sein Blick wanderte unauffällig zwischen mir und dem Abgrund hin- und her und ihm zuliebe rutschte ich ein paar Meter davon ab.
„Immer wenn ich meine Klamotten an dir sehe muss ich zugeben, dass du einfach besser darin aussiehst, selbst wenn’s dir zehn Nummern zu groß ist. Weißt du wie frustrierend das ist? Also das ich mit Rodrigo nicht konkurrieren kann, daran habe ich mich ja gewöhnt, aber mit DIR?“
Er setzte sich neben mich auf den Felsboden, schlang die Arme um die angezogenen Knie und legte den Kopf schief um Richtung Sonne zu sehen.

„Du hast mich schon wieder beim schlafen beobachtet.“, nuschelte er zwischen den Zähnen hervor ohne mich dabei anzusehen.
„Pah, das kannst du doch gar nicht wissen.“
„Doch, bei mir brechen da sofort Stresspusteln aus, und die seh‘ ich schon!“
Ich musterte den halbnackten Körper neben mir von oben bis unten und konnte keine derartigen Geschwüre entdecken. Farin bemerkte den suchenden Blick, grinste mich an und bevor er etwas sagen konnte erklärte ich mir selbst: „Ja, ne. Ist klar. Die befinden sich in deinem Intimbereich, den ich mir natürlich gerne angucken kann, und wenn ich schon mal da bin dann könnte ich ja – ne, lass stecken Blondie. Es wird eindeutig Zeit das wir ‘ne Frau für dich finden, weißt du das? Ich trau mich bald schon nicht mehr neben dir zu schlafen, aus Angst vor sexuellen Übergriffen!“
Er lachte vor sich hin, rappelte sich auf, streckte die porzellanfarbene Haut dem heller werdenden Himmel entgegen und sagte: „Tu nicht so als wäre das nicht in deinem Sinn! – Na komm, lass uns weiterreisen bevor das Eselgetier überhaupt nicht mehr läuft…“

Wir hatten in den vergangenen Tagen schon einige Eskapaden mit den tierischen Begleitern gehabt, aber wenn sie heute das gewöhnungsbedürftige, langsame Tempo hielten, würden wir die Etappe bis zu Farins Jeep schaffen und könnten dann endlich wieder etwas zuverlässiger reisen. Mit diesen Viechern war es die reinste Katastrophe.
Wir bauten schnell ab und packten noch viel schneller zusammen, nach sieben Wochen hatte man das irgendwann einfach drauf. Wir beluden die Esel mit unserem Krempel und schließlich mit uns selbst und machten uns dann in der morgendlichen Sonne auf den Weg.

Farin hatte ein paar Meter Vorsprung weil er mir, freundlich wie er war, wieder das störrischere Tier angedreht hatte und ich schon nach den ersten Metern mit dessen Motivation kämpfte.
„Warum stehst du eigentlich so früh auf?“, fragte er von vorn und wandte beim sprechen den Kopf zur Seite, damit ich ihn besser hören konnte. Der Weg hier durch die Felslandschaft war zu klein, als dass wir nebeneinander hätten reiten können. „Als wir noch mit dem Racing Team unterwegs waren hast du regelmäßig verschlafen und jetzt bist du schon vor Sonnenaufgang wach! Soll mir das irgendwas sagen, Bläserfloh?“
„Ähm – nein?“
„Und jetzt singst du regelmäßig, einfach so, wenn du irgendwo rumplantschst, und zu Tourzeiten musste ich dich mit den fiesesten Mitteln dazu zwingen. Soll mir das irgendwas sagen, BLÄSERFLOH?!“
Ich lachte hinter ihm und musste an die vergangene Tourzeit denken. Ich hatte mich mit Farin tatsächlich nicht immer so rosig verstanden wie jetzt, wobei Daniela offensichtlich geplant, einiges dazu beigetragen hatte.

„Wahrscheinlich hast du ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.“, analysierte er Messerscharf und musste sich halb über seinen Esel legen, um dem tiefhängenden Ast eines Baumes zu entgehen, der ihn andernfalls erschlagen hätte. „Du wolltest einfach ein bisschen Liebe und Aufmerksamkeit… hach. Schön.“
„Ja, sicher! Und die zehntausend bösen Blicke und die gemeine, abweisende Art die du an den Tag gelegt hast, als ich dich genervt hab mit meinem Verhalten! Haha. Der wär ich gern entgangen! Weißt du überhaupt wie sehr ich gelitten hab?“
„Geschadet hat’s dir nicht, netter biste ja auch nicht geworden.“ Er drehte sich um und grinste.

Die Mittagssonne prallte vom Himmel und tauchte die Felder um uns herum in überbelichtete, viel zu satte Farben.
Auf Farins mittlerweile dunkelblond-grauem Haar prangte der Strohhut, den ihm ein Einheimischer geschenkt hatte. Er trug ihn mit Stolz und er verlieh ihm eine glaubwürdige, weise Aura. Einfach nur weil er damit so alt aussah.
Die Esel kapitulierten als es wieder bergauf ging und nach mehreren Stunden eindringlichen Schweigens war der erste Satz von Farin: „Ich denke wir müssen eine Pause machen.“

Also schwang ich gekonnt das Bein über den Rücken den Ungetiers, glitt aus dem ledernen Sattel und rückte mein orangefarbenes Kopftuch zurecht. Es war heiß. Viel zu heiß für meinen Geschmack.
„Du solltest zurück nach Deutschland.“, sagte Farin dann bitterernst als er mir meinen Esel regelrecht aus der Hand riss und ihn neben seinem an einem der Bäume festband. Während ich seinen routinierten Bewegungen zusah fühlte ich mich doch ein wenig getroffen von der direkten Aufforderung zu gehen.
„Na entschuldige mal, aber so schlecht habe ich mich auf diesen Viechern ja wohl nicht gemacht? Und mit dem Zelt?! Ja, okay… es hat die fünf Löcher von mir, aber mittlerweile kommen eben keine mehr dazu! Ich finde –“
Er sah mich an und grinste.
„Doch nicht deshalb du Idiot! Ich finde übrigens, diese Löcher ergeben ein fast funktionierendes Belüftungssystem, und ich würde es vermissen wenn ich dich morgens nicht mehr in meinen Klamotten sehen könnte.“
„Aber?“
Er setzte sich voller Ruhe in den Schatten der Bäume und zog den Hut über die Augen. Und in diesem Moment wusste ich, dass das Taktik war, keine Bequemlichkeit. Er fürchtete ganz bestimmt, dass ich aus seinen Augen die Antwort las, bevor er sie diplomatisch in Worte fassen konnte.
Seine Hände glitzerten vom Schweiß als er neben sich auf den staubigen Boden klopfte und mich neben sich erwartete und ich rechnete mit der größten Abfuhr meines Lebens.
„Du solltest gehen. Einfach weil – Bela.“
Ich schwieg.
„Du stehst auf und suchst nach deinem Bierdeckel, du gehst ins Bett und legst ihn neben deinen Kopf. Du sitzt jeden Tag davor und liest die armselige Botschaft, die du mittlerweile wahrscheinlich schon rückwärts buchstabieren kannst. Wenn es ruhig ist wirst du nachdenklich und dann kriegst du diesen glasigen Blick, den du immer nur dann bekommen hast, wenn es um Bela ging, weißt du was ich meine? Diese Mischung aus ich-hasse-den-verdammten-Arsch und einem aber-was-soll-ich-machen-er-ist-halt-der-Kerl-den-ich-liebe.
Du erzählst jeden zweiten Tag von eurem Abschied und dann wirst du melancholisch und versuchst deine Tränen durch die Nase wegzusaugen, was nie funktioniert. Und wenn du nachts träumst sagst du seinen Namen, wenn du deine Gedanken nicht unter Kontrolle hast, sagst du ihn auch. Wenn der Himmel über uns mit Sternen übersäht ist und du ihn anblickst, kann man dich von ihm denken hören. Du bist voll von ihm. Und da du es selbst nicht zu kapieren scheinst, muss ich dich wohl zu deinem Glück zwingen. Mädchen, du bist in diesen Mann verliebt. Und kannst du mir mal sagen was euch zwei besseres passieren kann, als das du nach Hause fliegst, und ihm das sagst?“

Sein Hut hing ihm immer noch tief ins Gesicht und ich hätte nach seinem gut betonten Monolog einen Kloß im Hals.
„Also nur damit das klar ist.“, fügte er an. „Ich weigere mich dich weiter mitzunehmen. Keinen Meter weiter. Abgesehen mal vom Weg zum Flughafen.“
„Ich bin nicht in ihn verliebt, ich halte es nur nicht aus so mies zu ihm gewesen zu sein. Das sind einfach nur Schuldgefühle. Ich bin nur egoistisch!“
Farin drehte den Kopf und schob den Hutrand ein paar Zentimeter nach oben um mich durchdringend anzusehen. Sein Blick war glaubwürdig, aber mir glaubte er nicht. „Du musst dich nicht rechtfertigen nur weil du jemanden liebst Taya. Und wer könnte besser verstehen als ich, dass man sich in Bela verliebt?“

21.5.09 23:06
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Babs (23.5.09 18:49)
Jaja, liebe Taya .... das siehste mal.

Ach nee, die schöne FF .... bald zu Ende.
Wie viele "Seiten" haste denn bei Word etc. gebraucht? Wie viele Worte sinds? :D
Naja, es ist traurig, aber man muss damit leben. Bis jetzt warse natürlich sehr schön.

Aber bitte wähle nicht das Ende á la Taya fällt Bela um den Hals, alle haben sich lieb UND es kommen gleich noch Kinder .... und dann gibts noch einen kleinen Abschnitt wo die Enkelkinder drin vorkommen

OKay, in Bochum war ichs nicht, aber kann ich dir in Hamburg zuschrein? *lach*


anna (1.6.09 17:51)
oh mein gottt! .. ich will diese geschichte heiraten..
ich hab richtig fernweh gekriegt und .. farin ..-schmacht-
du bist so böse meine fantasie so denken zu lassen ;O

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